Seitenzahlen verweisen auf: |
|
Karl Marx/Friedrich Engels - Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 19, 4. Auflage 1973, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 230-237. |
Korrektur: |
|
1 |
Erstellt: |
|
18.07.1999 |
Geschrieben in der ersten Aprilhälfte 1880.
Nach der Handschrift.
Aus dem Englischen.
I
|230|
1. In welchem Gewerbe arbeiten Sie?II
1. Wieviel Stunden arbeiten Sie täglich und wieviel Tage in der Woche?
2. Wieviel Feiertage haben Sie während des Jahres?
3. Welche Pausen treten während des Arbeitstages ein?
4. Sind für Mahlzeiten bestimmte regelmäßige Pausen festgesetzt oder werden sie unregelmäßig eingenommen?{1}
5. Wird während der Mahlzeiten weitergearbeitet?
6. Falls Dampfkraft benutzt wird, nennen Sie die genauen Zeiten, wann sie an- und abgestellt wird.
7. Gibt es Nachtarbeit?
8. Wieviel Stunden arbeiten Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren?
9. Lösen sich Kinder und Jugendliche schichtweise während des Arbeitstages ab?
10. Sorgt die Regierung für die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen über Kinderarbeit, soweit es solche gibt, und werden sie von den Unternehmern genau befolgt?
11. Bestehen irgendwelche Schulen für Kinder und Jugendliche, die in Ihrem Gewerbe arbeiten? Wenn ja, zu welcher Tageszeit sind die Kinder in der Schule? Was lehrt man sie?
12. Falls Tag und Nacht gearbeitet wird, wie ist der Schichtwechsel geregelt? Erfolgt die Ablösung einer Gruppe Arbeiter durch eine andere Gruppe?
13. Wieviel Arbeitsstunden werden in Zeiten besonders starker Geschäftstätigkeit zusätzlich zu den üblichen geleistet?
14. Werden die Maschinen von einer besonderen Gruppe Arbeiter gereinigt, die für diese Arbeit angestellt sind, oder besorgen die an den Maschinen beschäftigten Arbeiter die Reinigung unentgeltlich während ihres gewöhnlichen Arbeitstages?
15. Welche Bestimmungen und Strafen gibt es, um pünktliches Erscheinen der Arbeiter bei Beginn des Tagewerks oder nach den Mahlzeiten zu sichern?
|233| 16. Wieviel Zeit verlieren Sie täglich für den Weg zur Arbeitsstätte und für den Rückweg zu Ihrer Wohnung?
III
1. Welcher Art ist das Arbeitsverhältnis mit Ihrem Lohnherrn? Sind Sie für den Tag, für die Woche oder für den Monat etc. eingestellt?
2. Welche Fristen sind für die Kündigung seitens des Unternehmers oder Ihrerseits festgesetzt?
3. Welche Strafen sieht Kontraktbruch vor, wenn der Lohnherr der schuldige Teil ist?
4. Welche Strafen erwarten den Arbeiter, wenn er der schuldige Teil ist?
5. Falls Lehrlinge beschäftigt sind, nennen Sie ihre Vertragsbedingungen.
6. Stehen Sie dauernd in Arbeit oder mit Unterbrechungen?
7. Wird in Ihrem Gewerbe hauptsächlich während einer bestimmten Saison gearbeitet, oder ist die Arbeit mehr oder weniger gleichmäßig über das ganze Jahr verteilt? Falls Ihre Arbeit an eine bestimmte Saison gebunden ist, wie leben Sie dann in der Zwischenzeit?
8. Erhalten Sie Zeit- oder Stücklohn?
9. Wenn Zeitlohn, wird er nach der Stunde oder nach dem ganzen Arbeitstag berechnet?
10. Erfolgt eine besondere Entlohnung - und welche - im Falle von Überstunden?
11. Wenn Sie Lohn nach der Stückzahl erhalten, berichten Sie, wie dieser festgesetzt wird. Falls Sie in Industriezweigen beschäftigt sind, wo die geleistete Arbeit nach Quantität oder Gewicht berechnet wird (wie z.B. in Kohlengruben), so berichten Sie, ob der Lohnherr und seine Kreaturen zu Prellereien greifen, um Sie um einen Teil des Verdienstes zu betrügen.
12. Falls Sie im Stücklohn bezahlt werden: wird die Qualität des Produkts zum Vorwand genommen, um Ihren Lohn auf betrügerische Weise zu kürzen?
13. Ob Sie nun im Zeit- oder im Stücklohn beschäftigt sind, nach welcher Frist erhaben Sie Ihren Lohn? Mit anderen Worten, wie lange müssen Sie warten, bis Ihr Lohnherr Ihnen den Lohn für bereits ausgeführte Arbeit auszahlt? Wird Ihr Lohn nach einer Woche, einem Monat etc. bezahlt?
14. Werden Sie durch solche Verzögerungen bei der Lohnzahlung gezwungen, häufig das Pfandhaus in Anspruch zu nehmen, dort hohe Zinsen zu zahlen und obendrein Gegenstände zu entbehren, die sie nötig gebrauchen, oder müssen Sie bei den Kaufleuten Schulden machen und werden dadurch als Schuldner deren Opfer?
15. Werden die Löhne direkt vom "patron" |"Herrn"| oder durch eine Zwischenperson, einen "marchandeur" |"Zwischenmeister"| etc. bezahlt?
16. Wie sind die Bedingungen Ihres Kontrakts, falls die Löhne durch "marchandeurs" oder andere Zwischenpersonen ausgezahlt werden?
17. Wie hoch ist Ihr Geldlohn pro Tag oder pro Woche?
18. Wie hoch sind die entsprechenden Löhne der Frauen und Kinder, die mit Ihnen in der gleichen Werkstatt arbeiten?
19. Nennen Sie den höchsten und den niedrigsten Tagelohn im vergangenen Monat.
20. Nennen Sie den höchsten und den niedrigsten Stücklohn im vergangenen Monat.
21. Nennen Sie Ihr tatsächliches Einkommen während dieser Zeit, und, falls Sie Familie haben, auch das Ihrer Frau und der Kinder.
22. Werden die Löhne in Geld oder zum Teil auf andere Weise gezahlt?
23. Falls der Unternehmer Ihnen die Wohnung vermietet, unter welchen Bedingungen geschieht das? Zieht er die Miete von Ihrem Lohn ab?
24. Nennen Sie die Preise der notwendigen Dinge, wie zum Beispiel:{2}
a) Ihre Wohnungsmiete und dazu die Mietbedingungen; Zahl der Zimmer und der Personen, die dann wohnen; Reparaturen und Versicherung; Kauf und Unterhalt des Mobiliars; Schlafstelle; Feuerung; Beleuchtung; Wasser etc.
b) Nahrung: Brot, Fleisch, Gemüse (Kartoffeln etc.), Milchprodukte, Eier, Fisch; Butter, Öl, Fett; Zucker, Salz, Gewürze; Kaffee, Tee, Zichorie; Bier, Apfelwein, Wein etc., Tabak.
c) Kleidung (für Eltern und Kinder); Wäsche; Körperpflege, Bäder, Seife etc.
d) verschiedene Ausgaben, wie Briefporto, Darlehen, Aufbewahrungskosten in den Pfandhäusern, Schulgeld für die Kinder, Lehrgeld, Erwerb von Zeitungen, Büchern etc.; Mitgliedsbeiträge, Beiträge für Gesellschaften zur gegenseitigen Hilfe, für Streikkassen, für verschiedene Vereinigungen, Gewerkschaften etc.
e) Kosten, sofern es solche gibt, die durch die Ausübung Ihres Berufs entstehen.
f) Steuern.
|235| 25. Versuchen Sie, Ihre wöchentlichen und jährlichen Einnahmen (und die Ihrer Familie, falls Sie eine haben) und die wöchentlichen und jährlichen Ausgaben in Form eines Budgets aufzuschreiben.
26. Haben Sie aus eigener Erfahrung ein stärkeres Ansteigen der Preise für die lebensnotwendigen Dinge (wie Wohnungsmiete, Nahrung etc.) als das der Löhne festgestellt?
27. Berichten Sie über die Lohnschwankungen, so weit Sie sich zurückerinnern können.
28. Berichten Sie über das Absinken der Löhne in Zeiten der Stagnation oder Krise.
29. Berichten Sie über das Steigen der Löhne in sogenannten Zeiten der Prosperität.
30. Berichten Sie über Arbeitsunterbrechungen infolge Veränderungen in der Mode und infolge von Teil- oder allumfassenden Krisen.
31. Berichten Sie über Veränderungen im Preis der Waren, die Sie produzieren, bzw. der Dienste, die Sie leisten, und berichten Sie zum Vergleich, ob Ihr Lohn sich gleichzeitig verändert hat oder ob er der alte geblieben ist.
32. Kennen Sie Fälle, daß Arbeiter infolge Einführung von Maschinen oder anderen Vervollkommnungen ihren Arbeitsplatz verloren haben?
33. Haben mit der Entwicklung der Maschinen und der Erhöhung der Arbeitsproduktivität die Intensität und die Dauer der Arbeit zu- oder abgenommen?
34. Sind Ihnen Lohnerhöhungen als Folge von erhöhter Produktion bekannt?
35. Sind Ihnen jemals Fälle bekannt geworden, daß ein einfacher Arbeiter mit dem Geld, das er als Lohnarbeiter verdient hatte, sich im Alter von 50 Jahren zur Ruhe setzen konnte?
36. Wieviel Jahre kann in Ihrem Gewerbe ein Arbeiter von durchschnittlicher Gesundheit seine Arbeit ausführen?
IV
1. Gibt es in Ihrem Gewerbe Gewerkschaften und wie werden sie geleitet?
2. Wieviel Streiks fanden nach Ihren persönlichen Erfahrungen statt?
3. Wie lange haben diese Streiks gedauert?
4. Waren es Teilstreiks oder allgemeine Streiks?
5. War das Ziel der Streiks eine Lohnerhöhung, oder wurde gestreikt, um gegen eine Lohnherabsetzung zu kämpfen; oder ging es bei den Streiks um die Länge des Arbeitstags; oder hatten sie andere Ursachen?
6. Welches waren ihre Ergebnisse?
7. Unterstützt man in Ihrem Gewerbe die Streiks von Arbeitern aus anderen Gewerben?
8. Nennen Sie die von Ihrem Lohnherrn zur Beherrschung seiner Arbeiter erlassenen Bestimmungen und die Strafen, wenn sie verletzt werden.{3}
9. Bestehen Vereinigungen der Lohnherren, um Lohnkürzungen, Verlängerung des Arbeitstags zu erzwingen, um Streiks zu zerschlagen und um im allgemeinen der Arbeiterklasse ihren Willen aufzuzwingen?
10. Kennen Sie Fälle, wo die Regierung die bewaffnete Macht mißbrauchte und sie den Lohnherren gegen ihre Arbeiter zur Verfügung gestellt hat?
11. Haben Sie erlebt, daß die gleiche Regierung sich jemals im Interesse der Arbeiter eingeschaltet hat, wenn die Lohnherren Übergriffe begingen und sich ungesetzlich zusammenschlossen?
12. Verschafft die gleiche Regierung den Fabrikgesetzen, soweit welche bestehen, gegenüber den Lohnherren Geltung? Nehmen ihre Inspektoren - soweit es welche gibt - ihre Pflichten ernst?
13. Gibt es in Ihrem Betrieb oder in Ihrem Gewerbe Gesellschaften zur gegenseitigen Hilfe und Unterstützung bei Unfällen, Krankheiten, Todesfällen, vorübergehender Arbeitsunfähigkeit und im hohen Alter etc.?
14. Ist die Mitgliedschaft in solchen Gesellschaften freiwillig oder obligatorisch? Stehen ihre Mittel ausschließlich unter Kontrolle der Arbeiter?
15. Falls die Beiträge obligatorisch sind und unter der Kontrolle des Lohnherrn stehen: zieht er die Beiträge vom Lohn ab; zahlt er Zinsen dafür? Werden die Beiträge den Arbeitern zurückerstattet, wenn sie kündigen oder entlassen werden?
16. Gibt es in Ihrem Industriezweig Arbeitergenossenschaften? Wie werden sie geleitet? Sind in ihnen auch andere Lohnarbeiter in derselben Weise wie bei den Kapitalisten beschäftigt?
17. Gibt es in Ihrem Gewerbe Betriebe, in denen ein Teil der Bezahlung der Arbeiter unter dem Namen Lohn, ein anderer Teil in Form angeblicher Gewinnbeteiligung am Profit Ihres Lohnherrn erfolgt? Vergleichen Sie das gesamte Einkommen dieser Arbeiter mit demjenigen, das andere Arbeiter erhalten, bei denen keine angebliche Gewinnbeteiligung besteht. Berichten Sie über die Verpflichtungen der Arbeiter, die unter diesen Bedingungen arbeiten. Können sie sich an Streiks beteiligen etc. oder dürfen sie nur die ergebenen "Diener" ihres Lohnherrn sein?
18. Wie ist der allgemeine körperliche, geistige und moralische Zustand der in Ihrem Beruf beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen?
{1} In der Handschrift von Charles Longuet zugefügt: "Werden sie innerhalb oder außerhalb des Betriebes eingenommen?"
{2} Die Unterfragen a) bis f) sind in französischer Sprache verfaßt.
{3} In der Handschrift gestrichen: "in seinem Betrieb, wo er selbstredend die höchste legislative, juristische und exekutive Macht in seiner Hand vereinigt".